Dunkle Restaurantküche zu Filetierte Wahrheit

Leseprobe · Vorspann und Kapitel 1

Filetierte
Wahrheit

Der vollständige Auftakt: Felix’ letzter Blog-Eintrag und der erste Tatort.

Steinzeitgeschmack · Personenaufnahme

Ich bin
Felix Stein.

Food-Blogger. Genießer. Und vielleicht der einzige Gast, der beschreiben kann, was bei diesem Dinner wirklich serviert wurde.

AUFNAHME B2–F
← Zurück zu Band 2Lesezeit etwa 22 Minuten

»Nichts ist so furchtbar wie die Gewohnheit des Menschen.«

Montaigne, Essais (1580)

Vorspann

Steinzeitgeschmack – Der letzte Blog-Eintrag

Oh Honey, ich habe schon vieles auf meiner Zunge gehabt und nein, ich rede nicht nur von Essen.

Aber das hier?

Das war keine Mahlzeit. Das war ein Moment, nach dem man erst mal sitzen bleibt, weil der Körper schneller verstanden hat als der Kopf.

Stellt euch einen Bissen vor, der nicht höflich fragt, ob er eintreten darf. Er ist einfach da. Warm. Schwer. Ein bisschen zu nah. So direkt, dass man für zwei Sekunden vergisst, wie man lächelt.

Kein Instagram-Food-Porn. Kein Teller, der aussieht, als hätte Pinterest ihn persönlich mit der Pinzette zurechtgelegt. Keine essbaren Blüten, kein Schaum, kein »kleiner Crunch für die Textur«.

Nur Fleisch.

Und Darling, dieses Fleisch hatte nichts Harmloses.

Ich hob die Gabel, als müsste ich mich entscheiden, ob ich wirklich wissen will, was gleich passiert. Meine Finger zitterten. Nicht viel. Gerade genug, dass ich es merkte.

Der erste Biss war weich, fast zärtlich. Dann kam das Salz. Dann etwas Dunkleres darunter, etwas Warmes, Metallisches, das sich nicht verstecken wollte.

Ich schloss die Augen. Ja, natürlich habe ich die Augen geschlossen. Manche Dinge schmeckt man besser, wenn niemand zusieht. Auch wenn alle zusehen sollen.

Klingt übertrieben, denkst du?

Girl, ich übertreibe beruflich. Aber ich lüge nicht.

Das Leben ist kurz, und wenn Essen nichts mit Verlangen zu tun hat, wozu dann der ganze Aufwand? Ich dachte an all die Männer, die ich gedatet habe. An Prosecco-Atem, Parfum am Hemdkragen, Hände, die nicht wussten, wohin mit sich.

Vergesst sie. Das hier blieb. Ein Stück war weich wie Haut unter warmem Wasser. Ein anderes fester, fast störrisch, als müsste man es sich verdienen. Sweet and salty, Honey. Ein bisschen Daddy, ein bisschen Twink, und irgendwo dazwischen etwas, das nicht auf die Karte gehört.

Ich kaute langsam. Nicht elegant. Nicht für die Kamera. Für mich. Und irgendwann, zwischen dem zweiten und dritten Bissen, wusste ich es.

Nicht dachte.

Wusste.

Das war der Geschmack, nach dem ich immer gesucht habe. Nicht der beste. Nicht der teuerste. Der, über den man nicht spricht, weil schon das Wort dafür den Mund schmutzig macht.

Danach saß ich da, Lippen glänzend, Hände noch immer nicht ganz ruhig, und lachte leise in meine Serviette.

Ich hätte aufhören sollen.

Natürlich hätte ich aufhören sollen.

Aber Süße …

ich würde es wieder tun.

Nein.

Ich werde es wieder tun.

Felix Stein

»Musst du eigentlich immer so … theatralisch sein?«

Ich lache und lehne mich zurück. Die Gabel bleibt noch zwischen meinen Fingern, weil ich den Moment nicht gleich hergeben will.

»Darling«, sage ich, »meine Fans wären enttäuscht.«

Er verzieht kaum den Mund. Bei ihm zählt das vermutlich schon als gute Laune.

»Außerdem«, sage ich und lege die Gabel auf den Teller, »wenn etwas gut ist, darf man ihm ruhig ein bisschen Bühne geben.«

Sein Blick bleibt auf mir. Nicht dort, wo Blicke sonst zuerst landen. Nicht am Mund, nicht am Glas, nicht an der offenen Stelle meines Hemdkragens. Er sieht mich an, als würde er warten, bis ich mit dem Spielen aufhöre.

»Und wenn es zu gut ist?«, fragt er.

Ich habe sofort mehrere Antworten im Kopf. Alle hübsch. Alle falsch. Also nehme ich einen Schluck vom Martini, obwohl mein Glas fast leer ist.

»Dann sollte man wahrscheinlich aufpassen.«

Er nickt langsam. Zwischen uns steht der Teller mit den Resten. Das Messer liegt quer am Rand. Ein kleiner dunkler Fleck Sauce hat sich in der Porzellanvertiefung gesammelt. Ich starre einen Moment zu lange darauf, weil ich plötzlich nicht weiß, wohin mit meinen Augen.

Das passiert mir selten. Ich beuge mich vor. Nur ein Stück. Weit genug, dass er es bemerken muss.

»Komm her …«, sage ich.

Er bleibt sitzen. Also mache ich den letzten Rest Abstand selbst kaputt und küsse ihn. Zuerst nur kurz. Weniger elegant, als ich es gern hätte. Sein Mund ist warm, ein wenig trocken vom Martini.

Seine Finger schließen sich um mein Handgelenk. Nicht hart. Aber genau genug, dass ich sofort stillhalte.

Mein Lächeln ist noch da. Ich spüre es. Es passt nur nicht mehr ganz.

Er löst den Griff nicht sofort. Einen Atemzug zu lang bleibt seine Hand dort, sein Daumen auf der Innenseite meines Pulses. Dann lässt er los, greift nach der Karaffe und schenkt nach. Erst mir, dann sich. Kein Kommentar. Kein Blick auf meinen Mund. Nur Martini im Glas, ruhig und hell.

Er reicht mir meines.

»Auf den Geschmack«, sagt er.

Ich lache, weil es einfacher ist als alles andere. Der Martini ist immer noch kalt, trocken, ein bisschen zu schnell weg.

Diesmal legt er die Hand wieder um mein Handgelenk, bevor ich das Glas absetzen kann. Der Druck ist kaum stärker als vorher. Trotzdem höre ich auf, mich zu bewegen.

»Komm mit …«, sagt er.

Und ich tue es.

Natürlich tue ich es.

Kapitel 1

Blutige Kunst

Der Motor läuft gleichmäßig, während wir durch den Regen fahren. Die Scheibenwischer kommen kaum hinterher. Für zwei, drei Sekunden ist die Straße klar, dann zerlegt das Wasser die Lichter wieder in Streifen.

Sarah sitzt neben mir, die Akte auf den Knien. Ihre Hände liegen darauf, ineinander verschränkt. Dieses ruhige Atmen, das sie immer bekommt, wenn sie sich zwingt, nichts nach außen dringen zu lassen. Der Ordner ist dünn. Das passt nicht zu dem, was darin liegt.

Eine Frau, Anfang dreißig, blond. Gefunden im eigenen Bett. Keine Einbruchsspuren, keine Hinweise auf einen Kampf. Im Bett und am Boden kein Blut.

»Sauber«, hat Holger gesagt.

»Zu sauber«, hat Sarah geantwortet.

Die Fotos sind sachlich aufgenommen. Totalansicht, mehrere Detailansichten, jeweils mit einem Maßstab daneben. Gerade deshalb bleiben sie hängen. Schnittlinien an beiden Hüften, sauber geführt. Beidseitig die Lendenmuskeln entfernt.

Dr. Miriam Seidel hat nicht viele Worte gebraucht.

»Präzise. Wahrscheinlich scharfes, schmales Werkzeug. Keine Abwehrverletzungen.«

»Du gehst die Akte gerade erneut in Gedanken durch, oder?«, fragt mich Sarah.

»Ja.«

»Konzentrier dich lieber auf die Straße. Oder soll ich fahren?«

Ich stelle den Scheibenwischer eine Stufe höher. Der Regen verschmiert sofort wieder alles.

»Du hasst es, wenn ich fahre.«

»Ich hasse es, wenn du dabei nicht auf die Straße siehst.«

Ich lasse den Blick wieder nach vorn gehen. Rücklichter verschwimmen im Regen.

»Dieser Fall fühlt sich nicht an wie die anderen.«

Sarah zieht den Gurt ein Stück von ihrer Schulter weg und lässt ihn zurückschnappen.

»Dann hör auf, ihn so zu behandeln.«

Die Ampel vor uns springt auf Rot. Ich bremse. Hinter uns liegt die Straße. Leer, schwarz vom Regen, nur unsere Rücklichter zittern auf dem Asphalt.

Sarah öffnet die Akte und blättert darin herum. Papier raschelt.

»Die Leiche liegt noch in der Pathologie«, sagt sie. »Miriam wollte uns sowieso sprechen.«

»Doktor Miriam.«

Sarah sieht mich von der Seite an. »Sie hört mich nicht.«

»Das ist kein Grund für Nachlässigkeit.«

Sie klappt den Ordner zu. »Wenn mir das irgendwann vor ihr rausrutscht, bist du schuld.«

»Wenn dir das vor ihr rausrutscht, korrigiert sie dich, bevor ich Luft holen kann.«

Sarahs Mundwinkel bewegen sich kaum. »Sie hat sich den Titel schwer erarbeitet.«

»Sagt sie.«

»Sagt sie jedes Mal.«

»Dann fahren wir zu Doktor Miriam.«

»Gut«, sagt Sarah. »Papierkram später.«

Der Sektionssaal riecht nach Desinfektionsmittel, feuchter Kälte und diesem Rest, den man aus solchen Räumen nie ganz herausbekommt. Die Neonröhren brummen. Auf den Edelstahlflächen steht das Licht hart und weiß.

Ich merke die Kälte zuerst an den Fingern. Die Frau liegt auf dem Tisch, bis zum Hals abgedeckt. Ihr Gesicht ist glatt, beinahe ausdruckslos. Nicht friedlich. Dafür fehlt zu viel.

Ich sehe weg und ärgere mich im selben Moment darüber. Dann sehe ich wieder hin. Verdammt, das wird nie wirklich leichter.

Dr. Miriam tritt an den Tisch. Mitte fünfzig, Brille, die Haare streng zurückgenommen. Ihre Bewegungen sind langsam, aber nicht müde. Eher so, als spare sie sich alles, was nicht nötig ist.

»Ihr habt den Bericht gelesen?«

»Ja.« Meine Stimme klingt belegt. »Ich will die Schnitte sehen.«

Sie nickt und faltet das Tuch zurück. So weit, dass Hüfte, Leisten und die oberen Oberschenkel frei liegen.

Ich bleibe stehen.

Dr. Miriam deutet mit einem behandschuhten Finger auf die Wunde an der Hüfte.

»Hier. Zugang über die Flanke beziehungsweise Leistenregion. Musculus psoas, beidseitig entfernt. Sehr saubere Schnittführung. Skalpell ist möglich, ein feines Filetiermesser auch. Keine Knochenschäden, keine tiefen Fehlansätze, keine sichtbaren Korrekturspuren.«

Sarah tritt näher. Ihr Blick bleibt an der Wunde, nicht am Gesicht.

»Irgendwelche weiteren Verletzungen?«

»Keine Abwehrspuren«, sagt Miriam. »Keine Hämatome an Armen, Handgelenken oder Oberschenkeln. Keine Druckmale am Hals. Keine Hinweise auf Fesselung. Und keine Verletzungen im Genitalbereich. Abstriche bisher ohne Spermanachweis. Nach derzeitigem Stand kein Hinweis auf sexualisierte Gewalt. Weder vor noch nach dem Tod.«

Sarah sieht kurz zu mir.

»Hat sie das mitbekommen?«

Dr. Miriam schüttelt den Kopf. »Unwahrscheinlich. Entweder war sie bereits tot oder nicht mehr in der Lage, sich zu wehren. Toxikologie läuft.«

»Sedativa?«

»Möglich. Im Moment noch offen.«

Sie zieht das Tuch wieder hoch, bis die Wunden verschwinden. Ihre Hand bleibt einen Augenblick auf dem Stoff liegen, dann nimmt sie sie weg.

Ich sehe auf das Gesicht der Frau. Auf die geschlossenen Augen. Auf die Hände, die sich unter dem Tuch nur als Formen abzeichnen.

In meinem Kopf liegt sie wieder auf dem Bett. Laken glattgezogen. Körper abgelegt. Der Raum sauberer, als er nach so einer Tat sein dürfte.

»Das war kein spontaner Akt«, sagt Dr. Miriam. »Vorbereitet, geübt. Professionell würde ich noch nicht sagen.«

»Ein Arzt?«, frage ich.

Sie zieht den Mund schmal.

»Nicht zwingend. Man muss kein Mediziner sein, um zu wissen, wo man schneidet. Aber man muss es gelernt haben. Irgendwo.«

Sarah sieht auf die abgedeckte Hüfte.

»Oder oft genug gemacht.«

Dr. Miriam sieht auf die abgedeckte Hüfte.

»Das wäre die unangenehmere Möglichkeit.«

Ich gehe um den Tisch. Die Edelstahlkante ist auf Höhe meiner Hand. Ich berühre sie nicht. Jeder Schnitt sitzt. Keine Hast, kein Abrutschen, keine Stelle, an der Wut die Hand geführt hat.

»Er wusste, was er wollte …«

»Ich lasse Toxikologie und Abstriche priorisieren«, sagt sie. »Mehr habe ich im Moment nicht für euch.«

»Das reicht fürs Erste«, antworte ich.

»Nein«, sagt sie. »Tut es nicht.«

Sarah schweigt. Ihr Gesicht bleibt ruhig, aber ihre Finger drücken den Rand ihres Blocks ein.

Als wir den Sektionssaal verlassen, bleibt Sarah vor der Tür stehen. Auf dem Schild daneben steht Rechtsmedizin. Darunter ein Pfeil, als wäre das hier ein normaler Flur in einem normalen Gebäude.

»Was denkst du?«, frage ich.

Sie sieht noch einen Moment auf das Schild.

»Er wollte nicht nur töten. Aber was macht er mit den entnommenen Teilen?«

Wir gehen den Gang entlang. Unsere Schritte hallen auf dem Boden, hinter uns fällt die Tür ins Schloss. Ich denke an die Fotos. An die glatten Schnittlinien. An das Bett, das jemand wieder in Ordnung gebracht hat.

»Das werden wir herausfinden.«

Als wir ins Bundeskriminalamt kommen, ist draußen längst Morgen. Im Flur riecht es nach Kaffee, die ersten Drucker laufen, aus den Büros kommen Tastaturgeräusche und gedämpfte Stimmen. Alltag, zumindest auf den ersten Blick.

Der Fall ist noch keine acht Stunden alt, aber die ersten Begriffe kleben schon daran. Saubere Schnittführung. Keine Blutspuren am Boden. Keine Abwehrverletzungen.

Im Besprechungsraum summen die Bildschirme. Ich stelle mich ans Kopfende des Tisches. Sarah steht neben mir, Block und Stift in der Hand. Sie schreibt noch nichts.

Timo kommt mit seinem Notebook herein, Nadine mit einem Tablet, Holger als Letzter. Er bleibt nahe an der Tür stehen. Er räuspert sich.

»Wohnung ist gesichtet. Keine Einbruchsspuren, Alarmanlage nicht ausgelöst. Tür intakt, Fenster ebenfalls. Entweder hat sie ihn hereingelassen oder er hatte Zugang.«

»Schlüssel?«, fragt Sarah.

»Prüfen wir.«

»Oder sie kannte ihn«, sage ich.

Niemand greift den Satz auf. Auf der Leinwand wechselt das Bild. Nahaufnahme der Wunden, Markierungen der Rechtsmedizin, Maßstab neben Haut.

Timo hebt zögerlich die Hand und lässt sie sofort wieder sinken.

»… warum Muskeln?«

Der Raum bleibt still. Nicht lange, aber lang genug. Sarah sieht weiter auf die Leinwand.

»Gute Frage«, sagt sie. »Keine Organe. Keine Niere, keine Leber, kein Herz. Nichts, was nach Organhandel aussieht.«

Nadine tippt auf ihrem Tablet.

»Ich habe erste Vergleichsfälle gezogen. Gewebeentnahmen gab es ein paar. Aber die alten Fälle waren grober dokumentiert, oft postmortale Verstümmelung, viel Blut, chaotische Tatorte. Dieses Muster habe ich noch nicht.«

»Noch nicht?«, fragt Holger von der Tür aus.

Nadine sieht kurz zu ihm.

»Ich suche weiter.«

Ich wende mich wieder den Fotos zu. Bett. Laken. Körper. Die Ordnung ist zu sorgfältig, um nur Vorsicht zu sein.

»Vielleicht ging es ihm nicht um sie als Person«, sage ich.

Holger schluckt. Timo starrt auf sein Notebook, ohne zu tippen. Nadine macht sich eine Notiz.

»Arbeitshypothese«, sage ich. »Nicht mehr. Fakt ist: Er nimmt Gewebe, hinterlässt kaum verwertbare Spuren und legt sie so ab, dass die Entnahme auffällt.«

Sarah schreibt jetzt. Nur ein Wort, dann legt sie den Stift wieder hin.

»Trotzdem bleibt die erste Frage dieselbe«, sagt sie. »Warum diese Frau? Wenn er sie gezielt ausgesucht hat, finden wir die Verbindung. Wenn nicht, müssen wir sein Raster finden.«

Auf der Leinwand erscheint wieder die Totale des Schlafzimmers. Ich sehe die geschlossenen Augen, die Hände neben dem Körper, die glatten Laken.

Sie hat nicht gekämpft.

Oder nicht kämpfen können.

Holger sagt leise: »Vielleicht betäubt.«

»Wahrscheinlich«, sage ich.

Die Tür geht auf. Dr. Miriam kommt herein, bleibt neben Holger stehen und verschränkt ihre Arme.

»Toxikologie dauert noch. Und falls er etwas Unübliches benutzt hat, dauert sie erheblich länger.«

Ich schalte den Bildschirm aus. Die Leinwand wird weiß.

»Wir gehen systematisch vor«, sage ich. »Umfeld, Kontakte, letzter Tagesablauf. Ärzte, Apotheken, Pflege, Kliniken, alles mit Zugang zu Sedativa oder Betäubungsmitteln. Schlüssel, Lieferdienste, Dating-Apps, Handwerkertermine, Nachbarschaft. Ich will wissen, wer in diese Wohnung kam, ohne Gewalt anzuwenden.«

Alle nicken. Routine. Aber diesmal dauert es einen Moment, bis sich jemand bewegt. Stühle scharren. Notebooks klappen zu. Nadine gibt Timo eine Liste, Holger murmelt etwas über Hausbefragungen.

Als die Tür hinter ihnen zufällt, bleibt nur Sarah neben mir im Raum.

»Du hattest vorhin recht«, sagt sie.

»Womit?«

»Das war keine Wut.«

Sarah zieht den Ärmel ihrer Bluse glatt. Eine kleine Bewegung, fast zu ordentlich.

»Das war ein durchgeplanter Ablauf …«

Ich sehe sie an. Sie muss nichts hinzufügen. Wer einen Ablauf hat, bleibt selten bei einem Mal.

Ende der Leseprobe

Erscheint am 06.11.2026 · Shoplinks folgen zum Start.Zur Buchseite